Er ist erfahrener Handballtrainer, ehemaliger Bundesligaspieler und aktueller DHB-Talentcoach. Carsten Klavehn, fördert seit vielen Jahren Nachwuchstalente und hat unter anderem bereits zahlreiche Spieler*innen aus dem aktuellen Aufgebot der A-Nationalmannschaft begleitet. An der Landessportschule Albstadt hat er kürzlich die Lehrgänge der weiblichen U15/U16 Nationalmannschaft sowie die DHB-Sichtung Süd betreut. Im Interview gibt er Einblicke in seine Laufbahn als Spieler und Trainer, seine Erfahrungen in der Nachwuchsförderung sowie wertvolle Tipps für junge Handballer*innen.
Herr Klavehn, wie sind Sie ursprünglich zum Handball gekommen?
Zum Handball bin ich tatsächlich über meine Eltern gekommen. Wir sind eine Handballerfamilie, meine Eltern haben selbst gespielt. In der Schule hatte ich außerdem erste Berührungspunkte.
Wie verlief Ihr Weg vom Nachwuchsspieler bis in die Bundesliga? Wie führte er Sie bis zur SG Leutershausen?
Ich bin gebürtiger Berliner und dort auch aufgewachsen. Meine ersten Schritte im leistungsorientierten Handball habe ich bei Blau-Weiss Spandau gemacht, wo ich erste Bundesliga-Erfahrungen sammeln durfte.1992 bin ich dann zur SG Leutershausen gewechselt. Insgesamt war ich sieben Jahre in Leutershausen aktiv und habe dort sowohl in der ersten als auch in der zweiten Bundesliga am Kreis gespielt.
Wie schwierig war für Sie der Rollenwechsel vom Akteur auf dem Feld zum Beobachter neben dem Feld?
Der Rollenwechsel war für mich weniger abrupt, als man vielleicht vermuten würde. Vor allem, weil ich schon sehr früh parallel zur aktiven Karriere als Trainer gearbeitet habe. Bereits seit 1993 habe ich in Leutershausen Jugendmannschaften betreut. Dadurch bin ich schrittweise in die Trainerrolle hineingewachsen.
Eine Ihrer ersten Stationen außerhalb des Vereins war die Tätigkeit als Verbandstrainer beim badischen Handballverband. Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe und welche Erfahrungen konnten Sie dort in der Nachwuchsarbeit gesammelt?
Seit 2002 habe ich im badischen Verband Auswahlmannschaften betreut. Eine Aufgabe, die mich bis 2016 intensiv begleitet hat. Die Arbeit als Verbandstrainer war für mich ein wichtiger Schritt, weil ich hier noch gezielter mit talentierten Spielerinnen und Spielern aus unterschiedlichen Vereinen arbeiten konnte. Es ging darum, Potenziale zu erkennen, systematisch zu fördern und gleichzeitig ein gemeinsames Leistungsverständnis zu entwickeln. Parallel dazu war ich von 2006 bis 2011 als Nationaltrainer der irischen Nationalmannschaft tätig. Diese Zeit war für mich persönlich besonders prägend. Dort stand weniger die Optimierung bestehender Strukturen im Vordergrund, sondern echte Aufbauarbeit. Wir haben Grundlagen geschaffen, Strukturen entwickelt und versucht, dem Handball insgesamt mehr Sichtbarkeit zu geben.
Wie sind Sie zum Deutschen Handballbund gekommen und wie hat sich Ihre Rolle dort seitdem entwickelt?
Im Jahr 2016 erhielt ich einen Anruf von Wolfgang Sommerfeld, der mich fragte, ob ich die männliche U17-Nationalmannschaft als Honorartrainer übernehmen möchte. Innerlich habe ich sofort ‚Ja‘ gesagt. Ich habe mich riesig über diese Anfrage gefreut. Für mich war das eine große Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit und gleichzeitig eine besondere Herausforderung. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch hauptberuflich in einer Agentur für Medienanalysen tätig und habe die Trainertätigkeit parallel dazu ausgeübt. 2018 bin ich dann in meine heutige Position als DHB-Talentcoach gewechselt. Dieser Schritt bedeutete, mich vollständig auf die Nachwuchsarbeit im nationalen Spitzenbereich zu konzentrieren.
Zwischen Sichtungen, Lehrgängen und Turnieren, wie gestaltet sich ein Arbeitstag im Leben eines DHB-Talentcoachs?
Mein Arbeitsalltag ist extrem vielseitig. Kein Tag gleicht dem anderen. Ein großer Teil der Arbeit findet tatsächlich am Computer statt: Recherchen, Spielanalysen, Nachbereitungen von Maßnahmen, Kaderplanung oder organisatorische Abstimmungen. Dazu kommen viele Gespräche mit Spielerinnen und Spielern, wenn sie zu Hause in ihren Vereinen sind. Aber auch mit Trainern und Verantwortlichen. Ein wichtiger Bestandteil ist ebenfalls die permanente Abstimmung im Trainerteam.
Während Lehrgängen und Turnieren ist es dann ein absoluter Fulltime-Job. Gerade auch hier in Albstadt verlasse ich mein Zimmer um 7 Uhr morgens und komme erst gegen 23 Uhr abends zurück. Neben den Trainingseinheiten stehen Videoanalysen, Teambesprechungen und viele Einzelgespräche auf dem Programm.
Gewähren Sie uns einen Blick hinter die Kulissen des Scouting-Prozesses?
Der Scouting-Prozess beginnt in der Regel bei Sichtungsmaßnahmen mit den Landesverbänden. Uns geht es dabei nicht nur um einzelne Aktionen, sondern um das Gesamtbild. Entscheidend ist außerdem der Entwicklungsgedanke. Wir schauen nicht nur auf den aktuellen Leistungsstand, sondern denken bewusst weiter.
Welche Spieler*innen, mit denen Sie in der Nachwuchsarbeit beim DHB oder in Vereinen gearbeitet haben, spielen heute im Profi-Bereich?
Viele der Spielerinnen und Spieler, die ich im Nachwuchsbereich beim DHB oder in den Vereinen begleitet habe, sind heute in der Bundesliga oder sogar international aktiv. Beispiele dafür sind Juri Knorr, Renars Uscins, Matthes Langhoff, Nils Lichtlein, Lasse Ludwig, David Späth, Tim Freihöfer, Nieke Kühne oder Viola Leuchter.
Die Landessportschule Albstadt ist offizieller DHB-Stützpunkt. Warum fiel die Entscheidung auf Albstadt und welche strukturellen oder sportlichen Vorteile bietet dieser Standort?
Albstadt bietet für uns ideale Bedingungen, um unsere Kadermaßnahmen und Lehrgänge abzuhalten. Kennengelernt habe ich den Standort das erste Mal über das Südcamp. Seitdem weiß ich, wie hervorragend die Voraussetzungen hier sind. Im Vergleich zu vorherigen Standorten waren viele dieser Faktoren dort nicht in diesem Umfang gegeben.
Die kurzen Wege zwischen Unterkunft und Trainingshallen ermöglichen eine effiziente Organisation des Trainingsalltags. Dazu kommen gute Regenerationsmöglichkeiten, eine hochwertige Verpflegung, hervorragende Analysemöglichkeiten und moderne Sportstätten. Alles Faktoren, die eine intensive und zugleich nachhaltige Leistungsentwicklung unterstützen.